Dass die rigorose Grenzpolitik der EU uns einmal persönlich betreffen würde – und zwar nicht als Schlagzeile, sondern am Schlagbaum – war eine neue Erfahrung. Dass man sich als EU-Bürger illegal in der EU aufhalten kann, ebenfalls.
Über 2.000 Kilometern hat uns die Routenplanung von Komoot – mit täglicher Nacharbeit, Improvisation und gelegentlichem Fluchen – sicher, verkehrsarm und abwechslungsreich durch Europa geführt. Auch am vergangenen Donnerstag, als wir uns auf einem kleinen Radweg auf einer Deichkrone wiederfanden, der uns von Serbien (nicht EU) nach Rumänien (EU) führen sollte.
Wir amüsierten uns noch über die Leichtigkeit, mit der wir dort unkontrolliert in die EU einreisen konnten. Lediglich ein Schlagbaum versperrte den Weg. Doch dieser ließ sich problemlos öffnen – und wir radelten weiter, beseelt von der Idee grenzenloser Freiheit.

Zwei Kilometer später endete diese Freiheit abrupt. Auf dem Radweg, in einem kleinen Skoda, saß die rumänische Grenzpolizei – Poliția de Frontieră – und wartete offensichtlich seit Tagen genau auf diesen Moment.
Die Beamten stiegen aus, kontrollierten unsere Pässe und erklärten uns mit höflicher Unnachgiebigkeit, wir seien illegal in die EU eingereist. Auch seien wir nicht befugt den Schlagbau zu öffnen. Mein freundlicher Hinweis, wir seien ja wohl EU-Bürger und könnten kaum illegal in der EU sein, war nicht der Schlüssel zur Weiterreise.
Wir wurden ausgewiesen.
Man begleitete uns zurück zur Grenze, wir ließen uns den Schlagbaum öffnen (immerhin waren wir ja nicht befugt) und wurden aus der EU verabschiedet. Kein Stempel, kein Händedruck, kein „Kommen Sie bald wieder“.
Auch mit der Gewissheit, dass wir an einem offiziellen Grenzübergang problemlos werden einreisen können, war dies eine neue und sehr seltsame Erfahrung.


