Ruhetag im Herzen von Kappadokien
Eine kurze Episode außerhalb der Reihe.

Heute ist Ruhetag. Und ich verbringe ihn im Herzen Kappadokiens, in Uçhisar.
Vielleicht kennt ihr dieses Gefühl vom Reisen: Man besucht Orte, die einem seltsam vertraut erscheinen. Als wäre man schon einmal hier gewesen. Nicht körperlich, eher innerlich. Landschaften, die aussehen wie Erinnerungen, die man nie bewusst hatte. Und dann gibt es Orte, die sich jedem Vergleich entziehen. Sie stehen allein für sich. Venedig gehört für mich dazu, der Bryce Canyon; alle auf ihre Art einzigartig, unvergleichlich. Und seit heute auch das Herz von Kappadokien.
Wenn man nicht wüsste, dass dies alles echt ist, man könnte sich in einer Filmkulisse wähnen. Für meinen Verstand war das hier heute nur schwer begreiflich.
















Was sich hier auftürmt, begann vor Millionen von Jahren mit einem Vulkan. Tuffstein legte sich über die Landschaft, wurde vom Wind, vom Wasser, von der Zeit geformt. Übrig blieben die Feenkamine: schlanke, teils groteske Säulen aus Stein. Und dann kam der Mensch. Höhlte sie aus. Machte aus Stein Wohnungen, aus einzelnen Kaminen ganze Wohnanlagen, sogar eine Burg. Naturwunder und menschliche Wirklichkeit sind hier untrennbar miteinander verwachsen.
Man geht durch diese Landschaft und staunt. Ich bin voller Demut durch dieses Naturwunder gelaufen — und ebenso voller Demut vor der Leistung der Menschen, die sich hier vor Jahrhunderten ein Zuhause geschaffen haben. Das war damals sicherlich nicht romantisch, aber klug, widerstandsfähig, angepasst.
Noch heute sind einige der Feenkamine bewohnt. Der Rest folgt, wie fast überall, den Gesetzen des Tourismus. Doch verlässt man nur ein wenig die ausgetretenen Wege, tritt er wieder hervor: dieser Zauber. Unaufdringlich. Selbstverständlich. Und vollkommen einzigartig.
Mehr wollte ich heute gar nicht. Nur ein wenig davon mit euch teilen.
Wer tiefer eintauchen möchte: Auf YouTube findet sich eine sehr sehenswerte NDR‑Dokumentation, die das Leben hier und den Tourismus an diesem eigentümlichen, jahrtausendealten Ort eindrucksvoll zeigt.
Manchmal reicht ein Ruhetag, um erinnert zu werden, warum man überhaupt unterwegs ist.
Übrigens habe ich die Familie aus der Dokumentation kennen lernen dürfen; und weil ich den ganzen Weg mit dem Fahrrad zu ihnen gefahren bin, durfte ich sogar einmal ins Haus luschern…






