„Welcome to Uzbekistan, no money“

Man kann sich das hier so vorstellen:

Die Straße geht geradeaus. Immer geradeaus. Und alle 70 bis 90 Kilometer gibt es eine Möglichkeit, etwas einzukaufen, zu trinken – und heute sogar einmal etwas zu essen.

Das ist Karakalpakstan. Eine Region im Nordwesten Usbekistans, fast so groß wie ein eigenes Land, dünn besiedelt, von Wüste umgeben und geprägt von der Nähe zum ehemaligen Aralsee.

Dort, wo früher Wasser war, ist heute Staub, Salz – und vor allem Weite. Der Aralsee, einst eines der größten Binnengewässer der Erde, ist größtenteils verschwunden und hat eine neue Wüstenlandschaft hinterlassen.

Es muss also gut geplant werden.

Für jeden Tag plane ich etwa acht Liter Wasser ein. Nicht nur zum Trinken, sondern auch, um abends noch etwas kochen zu können. Hier draußen gibt es nichts, was man spontan erledigt – alles ordnet sich hier der Entfernung, der Hitze und in unserem Fall dem starken Gegenwind unter.

Die Grenze musste ich mit dem Zug überqueren. Und in dem kleinen Ort gleich danach, in Karakalpakia, gab es tatsächlich einen Bankautomaten.

Allerdings spuckte er mir nur 400.000 Soʻm aus – umgerechnet etwa 28 Euro. Nach drei Tagen war davon fast nichts mehr übrig. Kartenzahlung? Fehlanzeige.

Heute in Jasliq wollten wir (ich bin seit vorgestern gemeinsam mit einem Franzosen unterwegs, ein Segen bei diesem Wind) dann Nachschub besorgen. Ein Ort mit gerade einmal ein paar hundert Einwohnern mitten in dieser Weite.

Doch der einzige Geldautomat im Ort war stromlos. Wir haben sogar versucht, die Stecker umzustecken – aber er ließ sich einfach nicht motivieren.

Also standen wir vor zwei Problemen: Wir mussten für die nächsten zwei Tage einkaufen – und wir brauchten dringend ein Abendessen.

Problem eins konnten wir dank eines netten Jungen lösen. Er brachte uns auf die Idee, mit kasachischen Tenge zu bezahlen. Davon hatten wir noch etwas übrig – die Grenze ist hier nicht weit.

Im zweiten von genau zwei Läden im Ort hat das dann tatsächlich funktioniert. Großzügig aufgerundet hätten sie uns alles verkauft: das Geschäft des Tages.

Motiviert von diesem Erfolg haben wir es im einzigen Restaurant des Ortes versucht. Die Frage: Kann man auch hier mit Tenge bezahlen?

Die Antwort kam trocken, mit einem Lächeln: „Welcome to Uzbekistan, no money!“

Und dann passierte genau das Gegenteil von dem, was wir erwartet hatten. Dalia, die Inhaberin, lud uns ein.

Salat, Fisch, Kebab – Rind und Huhn. Wasser, Tee, Grenadinesprudel, Bier, Wodka. Ein Festmahl, wie wir es seit Tagen nicht mehr hatten. Und in einer Region, in der die Menschen seit Jahrzehnten mit den Folgen einer der größten Umweltkatastrophen der Neuzeit leben, dem Austrocknen des Aralsee, hatte diese Einladung für uns noch einmal ein anderes Gewicht.

Am Ende standen wir satt, ein bisschen sprachlos und sehr dankbar vor dem Restaurant.

Die Räder sind nun wieder mit Nahrung und Wasser beladen. Morgen geht es weiter.

Geradeaus. Immer geradeaus.

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