25 Tage war ich nun in der Türkei, 21 davon auf dem Fahrradsattel.
Das ist keine Ewigkeit. Aber es ist genug Zeit, um einem Land nicht nur zu begegnen, sondern ihm ein kleines Stück näherzukommen.
Es waren nicht die großen Sehenswürdigkeiten, die ich systematisch abgeklappert habe – dafür ist diese Reise mit dem Rad nicht das richtige Format. Und doch lagen mit Istanbul, Kappadokien und Ani drei Orte am Weg, die Geschichte nicht nur erzählen, sondern ausstrahlen.
Wo immer es ging, habe ich versucht, die Hauptstraßen zu meiden und auf Nebenwegen durch das Land zu reisen. Mindestens aber bin ich durch die Orte gefahren, die rechts und links der Straße lagen.
Diese Wege waren oft mühsamer – und gerade deshalb reicher.


Mühsam wegen schlechter Straßen, wuseligem Verkehr und Hunden, die ihre Aufgabe sehr ernst nehmen. Reich durch eine Gastfreundschaft, die nichts fordert.
Tee, der aus- und nachgeschenkt wird, ohne gefragt zu werden. Gespräche, die nicht aus Höflichkeit entstehen, sondern aus echtem Interesse: Woher kommst du? Wohin fährst du? Wie lange noch?
Wie großartig ist es doch, dass wir uns dank der kleinen Helferlein in der Handfläche mit jeder und jedem unterhalten können? Sollte nicht Esperanto einmal die kulturlose Universalsprache werden? Die braucht es nicht mehr!
Auffällig war für mich nicht das Fremde, sondern seine Abwesenheit. Ich war oft Gast, nicht nur Beobachter. Ein Blick, ein Wort, ein gemeinsames Schweigen reichten manchmal aus, um dazuzugehören – wenigstens für einen Moment.








Sehr genossen habe ich die letzte Woche, in der ich immer wieder Begleitung hatte. Radfahrer:innen aus Spanien, Frankreich, der Türkei. Wir fuhren Stücke gemeinsam, teilten Abende, Tipps und Geschichten. So wächst langsam eine Reisegemeinschaft – keine feste, aber eine spürbare. Man achtet aufeinander. Und wenn sich Wege kreuzen, verbringt man Zeit miteinander. Das ist etwas sehr Besonderes.
Heute habe ich nun die Grenze zu Georgien überquert. Auf der Karte bleibt eine stattliche Linie zurück.
Was nehme ich mit? Begegnungen und die Erkenntnis, dass die Lebenswirklichkeit in diesem Land – je weiter man nach Osten kommt – sich grundlegend von unserer unterscheidet. Demut ist angesagt.


Vor allem aber nehme ich mit, dass dieses Land reichhaltiger ist, als das, was ich bisher damit verbunden habe. Es gäbe noch viel zu entdecken.
Für den Moment bleibt mir nur ein aufrichtiges:
Türkiye, teşekkür ederim.

