Gelegen am Ufer des Kura‑Flusses, eingebettet zwischen Hügeln und alten Handelswegen, ist Tbilisi seit mehr als anderthalb Jahrtausenden ein Ort des Übergangs zwichen Europa und Asien.

Der Name Tbilisi leitet sich vom georgischen Wort tbili ab – „warm“. Der Legende nach entdeckte König Wachtang Gorgassali im 5. Jahrhundert an dieser Stelle heiße Schwefelquellen und ließ hier eine Stadt errichten. Diese Quellen fließen bis heute, besonders im historischen Viertel Abanotubani, wo Kuppelbäder aus Backstein noch immer dampfen.

Die Altstadt von Tbilisi folgt keinem Stadtplan. Sie wächst, windet sich, öffnet sich unerwartet. Häuser mit schiefen Holz- und inzwischen Stahlbalkonen lehnen sich aneinander, Kirchen stehen neben Moscheen und Synagogen, kleine Werkstätten neben Cafés. Hier ist nichts geschniegelt. Putz bröckelt, Farben verblassen – und genau das macht den Reiz aus.














Oberhalb der Altstadt thront die Narikala‑Festung, seit Jahrhunderten Wächterin der Stadt – derzeit leider wegen Sanierung geschlossen. Von dort oben bietet sich ein wunderbarer Blick über die Dächer der Stadt und den Fluss, im Hintergrund leuchten die schneebedeckten Bergkuppen des Kaukasus.

Nur wenige Minuten von mittelalterlichen Gassen entfernt beginnt das moderne Tbilisi: breite Boulevards, Jugendstilfassaden, sowjetische Monumentalbauten, Glas und Stahl. Die Friedensbrücke spannt sich futuristisch über den Fluss, während die 2004 fertig gestellte Sameba‑Kathedrale die Stadt dominiert.





Georgische Küche ist ehrlich, sättigend und gemacht zum Teilen. Khachapuri – brotgefüllter Käse –, Khinkali – saftige Teigtaschen – und Wein gehören hier einfach dazu. Georgien gilt nicht ohne Grund als eine der ältesten Weinregionen der Welt.

Für mich war der Kontrast nach Wochen in ländlichen Regionen zunächst schwer auszuhalten. Zu viele Autos, zu viele Menschen, zu viel von all den Dingen, die den Menschen auf dem Land zu fehlen scheinen. Gleichzeitig bot mir Tbilisi die Möglichkeit, ein wenig zur Ruhe zu kommen, meine weitere Route zu planen, Wäsche zu waschen und – ganz wichtig und besonders schön – andere Reisende (wieder) zu treffen.

