Gastfreundschaft als Hoffnungsschimmer

🇺🇿O’zbekcha

Reisen in andere Länder bedeutet für mich, mit anderen Menschen, Kulturen und Lebensweisen in Kontakt zu kommen. Mit dem Fahrrad zu reisen heißt für mich, diesen Situationen ohne Hülle zu begegnen.

Natürlich treffe ich auf meiner Route immer wieder Menschen, die in ganz anderen Lebensumständen leben als wir. Meist sind das spannende Begegnungen, die meinen eigenen Horizont erweitern und meinen Blick aufs Leben verändern. Manchmal sind es aber auch schwere Begegnungen.

Oft lasse ich solche Momente in meinen Texten bewusst außen vor oder versuche, sie möglichst wertfrei zu beschreiben. Denn ich finde es überaus schwierig, über andere Lebensrealitäten zu schreiben, ohne die eigene als Maßstab zu nehmen. Heute mache ich eine Ausnahme.

Etwa drei Kilometer vor meinem gestrigen Etappenziel hielt ein Mann namens Kamoliddin mit seinem Mofa neben mir an. Wir kamen ins Gespräch, und noch bevor ich richtig verstand, was passiert, lud er mich zu sich nach Hause ein – zum Essen und für die Nacht. Ich nahm dankbar an.

Er fuhr voraus, ich folgte ihm durch die Abenddämmerung bis zu seinem Haus. Dort wurde ich von seiner Familie empfangen: seiner Frau, seiner Mutter und – wie sich später herausstellte – einer seiner Töchter. Es war warmherzig, unkompliziert, selbstverständlich. Eine Gastfreundschaft, wie man sie sich nur wünschen kann.

Wir Männer gingen in die „gute Stube“ und bekamen Suppe, Fleisch und Brot serviert, dazu Tee und Gebäck. Wie so oft auf dieser Reise waren Übersetzungs-Apps der Schlüssel zur Verständigung. Später kam noch Kamoliddins Bruder dazu, der ein wenig Englisch sprach – das machte vieles einfacher.

Nach dem Essen setzte sich Kamoliddin zu mir und sagte, er wolle mir noch jemanden vorstellen. Dann brachte er seine zweite Tochter ins Zimmer.

„Unsere Tochter Umida wurde bereits im achten Monat geboren“, begann er. „Sie ist jetzt acht Jahre alt. Bei der Geburt erlitt sie eine Kopfverletzung und wurde später mit Zerebralparese diagnostiziert.“

Erläuterung: Zerebralparese ist eine Erkrankung, die durch eine Schädigung des sich entwickelnden Gehirns entsteht und die Bewegung, Haltung und Koordination beeinträchtigt. Sie entsteht meist rund um die Geburt und bleibt ein Leben lang bestehen – in sehr unterschiedlicher Ausprägung.

Seitdem kämpft die Familie – Tag für Tag. Acht Jahre lang haben sie alles versucht: Behandlungen in verschiedenen Kliniken in Samarkand und Taschkent, immer wieder Hoffnung, immer wieder Rückschläge. Bisher ohne den erhofften Durchbruch, Umida zumindest ein eigenständiges Gehen zu ermöglichen.

Jetzt gibt es eine neue Chance.

„Wir müssen mit ihr zur Behandlung nach Indien“, sagte Kamoliddin. „Dafür benötigen wir 20.000 US-Dollar. Wir haben einen Termin – wir sollen am 9. Juni fliegen.“

In diesem Moment kamen in mir Zweifel auf. War ich also eingeladen worden, um… ja, wofür eigentlich?

Dann bat er mich um etwas, womit ich nicht gerechnet hatte: Ich solle ein Video aufnehmen und die Geschichte seiner Tochter teilen. Vielleicht würden Menschen helfen. Vielleicht würde jemand diese Geschichte sehen und etwas beitragen.

In seinen Worten lagen so viel Hoffnung – und gleichzeitig so viel Verzweiflung. Für einen kurzen Moment fühlte ich mich benutzt. Doch dann wurde mir klar: Vielleicht kann ich für diese Familie einfach ein kleiner Hoffnungsschimmer sein.

Ob ihre Erwartungen größer sind, weiß ich nicht. Aber diese Rolle konnte ich annehmen.

Nicht, weil ich weiß, ob es funktionieren wird. Sondern weil ich gesehen habe, wie sehr diese Familie kämpft – und wie sehr sie an diese Chance glaubt.

Mir ist bewusst, dass auch bei uns viel Leid existiert. Dass es Menschen in unserer direkten Umgebung gibt, die Hilfe brauchen. Und dass wir nicht allen helfen können. Deshalb verbinde ich mit diesem Text keine Erwartung.

Ich löse einfach ein Versprechen ein. Ich teile diese Geschichte. Und vielleicht bin ich damit ein kleiner, hoffnungsvoller Teil ihres Weges.

Wenn du dies liest und helfen möchtest – sei es durch Teilen, Aufmerksamkeit oder auch Unterstützung, findest Du am Ende dieses Textes einen Hinweis.

Hinweis:

Du kannst diesen Text und das Video (verfügbar auf Youtube und Instagram) frei teilen. Dazu liegt mir die Zustimmung von Kamoliddin vor.

Ich bin mir nicht sicher, ob Geld direkt auf eine VISA-Karte übertragen werden kann (siehe am Ende des Videos). Kamoliddin meint, das sei möglich.

Alternativ habe ich bis zum 07.06.2026 einen PayPal-Pool eingerichtet: PayPal-Pool

Ich werde etwaige Spenden gesammelt an Kamoliddin weiterleiten.

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